Den Kambodschaner …

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Den Kambodschaner …

14
Mrz,2018

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… als solchen zu beschreiben fällt mir ein wenig schwer. Wie auch Kambodscha als Ganzes. Zum einen die grosse Unbekannte unseres diesjährigen Trips, was ehrlicherweise nicht zuletzt an der schludrigen und ignoranten Reiseplanung gelegen haben dürfte. So haben wir erst am Flughafen erfahren dass die Khmer mit ihrer eigenen Währung herzlich wenig anfangen können und das allgegenwärtige Zahlungsmittel der US-Dollar ist. Davon sind mindestens so viel im Umlauf wie die US-Airforce Bomben im Rahmen des Vietnam-Krieges auf dieses wunderschöne aber so geschundene Land geworfen hat. Und da wären wir beim zweiten Punkt warum ich vor meinen allseits bekannten despektierlichen und ironischen Anmerkungen (die kommen, versprochen) noch was loswerden möchte. Also, es war an Weihnachten 1978. Klein-Heiko versuchte gerade aus seinem frisch geschenkten Fischertechnik-Baukasten heraus ein Flugzeug zu konstruieren welches sich in Folge jedoch zum Entsetzen des Konstrukteurs als nicht flugfähig erweisen sollte, als … ja als er zum Fernseher schaute in dem gerade die Nachrichten auf ARD oder ZDF liefen und er eine kurze Berichtssequenz erblickte, die erste die sich in seinem Leben ins Bewusstsein einprägte und auch heute noch abgerufen werden kann. Eine schnöde eigentlich, auf der Mattscheibe neben dem Weihnachtsbaum rollte gerade ein vietnamesischer Panzer einen kambodschanischen Grenzzaun nieder. Das war der Beginn der vietnamesischen Invasion Kambodscha, die bei aller Gewalt der unsäglichen Schreckensherrschaft der Khmer Rouge, der roten Khmer, unter dem paranoiden Pol Pot ein Ende setzte. Für mich war das lange DAS Kambodscha, der vietnamesische T-55, die Khmer rouge, die Killing Fields (empfehlendswert der gleichnamige Film), die Landminenplage, auch Kim Wildes thematisch daran angelegtes „Cambodia“ und diverse Berichte vom „lieben Schollie“ über die „Soldaten der Apokalypse“ (Peter Scholl-Latour). Dann fiele mir da auch noch der erste bei einem UN-Blauhelmeinsatz ums Leben gekommene Bundeswehrsoldat ein, 1993 in … ja. … ääh … …. ….. ich depressiv?! Mitnichten! … morbid? Ja nee … n’bißchen höchstens …und oh nein, ich habe auch nicht erwartet hier nach 40 Jahren an jeder Kreuzung in die Mündung eines T-55 zu blicken. Aber schon die Folgen einer schwer traumatisierten Nation zu erleben. So denke ich war jeder von uns überwältigt von dem pulsierenden und pragmatischen Leben welches (wieder) in dem Land herrscht. Jetzt bin ich nicht vermessen zu behaupten, nach drei Tagen (davon zu je einem Drittel beim Besuch toter Steine bzw. im Cocktail- bzw. After-Cocktail-Nebel verbracht) das Land zu kennen aber es reicht trotzdem das Erlebte um einen grundlegenden Eindruck zu erhalten. Das Land kommt langsam wieder auf die Füsse, weil es seine Bewohner verstehen ( bzw. leider wirtschaftlich dazu auch gezwungen sind) kreativ zu werden und alles zu „Business“ zu machen. In den letzten 20 Jahren scheinen die Einwohner jedenfalls die Erwerbsregeln der Ferengi weitaus deutlicher verinnerlicht zu haben als die Regeln der Strassenverkehrsordnung. Was auch die Herren Reisenden des Ostertrips bei der ein oder anderen (ehrlicherweise mindestens jeder zweiten) Gelegenheit erfahren durften. Aber auch die dadurch regelmässigen schmerzhaft in die Gruppenkasse geschlagenen Schneisen hatten offensichtlich keinen nachhaltigen Erkenntnisgewinn zur Folge so dass wie am nächsten Tag wieder von neuem fröhlich zur Melkstation geführt wurden. Konnten auch im Stakkato vorgebrachte Angebote für „Tuk Tuk, Massage, Boom boom“ tapfer in Gänze abgewiesen und irgendwann ins Hintergrundrauschen programmiert werden, so waren wir leider gerade in der Preisgestaltung und -durchsetzung der lokalen Bevölkerung gnadenlos unterlegen. Die beste Strategie um hierbei nicht paranoid zu werden ist ganz einfach. Sich bewusst sein daß man abgezockt wird, das Ganze dann bitte auch entsprechend geniessen und sich grundsätzlich darüber freuen, daß die Kambodschaner welche uns immer mit einem Lächeln begegnet sind ihren Weg gehen.

Über den Autor

Heiko
Das Hirn

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